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Zielkonflikt und Zielharmonie

Hier ist bereits angeklungen, dass sich nicht immer alle wirtschaftspolitischen Ziele gleichzeitig erreichen lassen. Wenn sich zwei Ziele bei ihrer Erreichung gegenseitig stören, spricht man von Zielkonflikt. Man kann dieses mit einer Situation auf einer Linie vergleichen. An einem Ende der Linie hat man das eine Ziel zu 100 % erfüllt, am anderen Ende das andere. Wenn man sich nun auf ein Ziel zu bewegt, entfernt man sich zwangsläufig von dem anderen. Bei einem Zielkonflikt ergibt sich die selbe Situation. Zielharmonie bedeutet, dass eine Bewegung auf das eine Ziel gleichzeitig eine Bewegung auf das andere Ziel ist. Beide Ziele sind gleichzeitig erreichbar. Wir wollen uns im folgende Beispiele für Zielkonflikte und Zielharmonien zwischen den wirtschaftspolitischen Zielen anschauen.

Der Zielkonflikt zwischen Vollbeschäftigung und Preisniveaustabilität

Wir stellen uns eine Situation vor, in der Vollbeschäftigung erreicht ist, und fragen uns, wie sich diese Situation auf das Preisniveau auswirkt. Es wird sich zeigen, dass das Ziel Preisniveaustabilität aus zwei Gründen verletzt sein wird.

Eine Situation mit Vollbeschäftigung gibt den Gewerkschaften eine große Verhandlungsmacht in den Tarifverhandlungen. Sie werden also ziemlich hohe Lohnabschlüsse durchsetzen können. Steigende Löhne führen aber über steigende Kosten der Unternehmen zu steigenden Preisen{{1}}[[1]]Hier liegt also der Fall einer (angebotsinduzierten) Lohnkosteninflation vor.[[1]]. Gleichzeitig entfalten die vielen Beschäftigten eine große Nachfrage nach Gütern. Wie wir aus dem Abschnitt über den Gleichgewichtspreis wissen, führt eine steigende Nachfrage zu steigenden Preisen{{2}}[[2]]Hier liegt also eine (nachfrageinduzierte) Konsuminflation vor.[[2]]. Aus beiden Argumenten folgt: In einer Situation mit Vollbeschäftigung ist das Ziel Preisniveaustabilität verletzt. Ähnlich kann man in einer Situation mit Unterbeschäftigung argumentieren, wenn der Staat Mittel ergreift, um die Beschäftigung zu erhöhen. Aus den oben genannten Gründen können die Preise stärker anfangen zu steigen.

Der Zielkonflikt zwischen außenwirtschaftlichem Gleichgewicht und Vollbeschäftigung

Wir stellen uns eine Situation vor, in der die Volkswirtschaft einen Exportüberschuss erwirtschaftet. Ein Abbau dieses Überschusses – also eine Annäherung an das Ziel außenwirtschaftliches Gleichgewicht, z.B. durch Exportsteuern, eine Aufwertung der Währung oder internationale Vereinbarungen – führt zu sinkender Nachfrage nach inländischen Gütern. Mit sinkender Nachfrage sinkt auch die Produktion und damit die Beschäftigung. Die Annäherung an das Ziel außenwirtschaftliches Gleichgewicht verletzt also das Ziel
Vollbeschäftigung.

Die Zielharmonie zwischen außenwirtschaftlichem Gleichgewicht und Preisniveaustabilität

In der gerade beschriebenen Situation führt eine Annäherung an das außenwirtschaftliche Gleichgewicht zu einer Senkung der Beschäftigung. Wie wir bereits wissen, besteht zwischen Beschäftigung und Preisniveaustabilität ein Zielkonflikt. Bei sinkender Beschäftigung werden die Preise also stabiler. Somit führt die Annäherung an das außenwirtschaftliche Gleichgewicht in dieser Situation auch zu einer Annäherung an die Preisniveaustabilität. Dies ist eine Zielharmonie.

Die Zielharmonie zwischen außenwirtschaftlichem Gleichgewicht und Vollbeschäftigung

Zwischen diesen beiden Zielen kann auch Zielharmonie bestehen. Dazu müssen wir nur die Ausgangssituation ändern. Wir gehen von einem Importüberschuss aus. Diesen versucht der Staat – beispielsweise durch eine Abwertung der Währung, Erhöhung von Zöllen oder Förderung der Exporte – zu beseitigen. Dadurch entsteht zusätzliche Nachfrage nach inländische Gütern mit der Folge, dass die inländische Produktion steigt. Steigende Produktion führt zu steigender Beschäftigung. Beide Ziele können gleichzeitig angestrebt werden. Aus dem oben beschriebenen Zielkonflikt ist eine Zielharmonie geworden ist, weil die Ausgangssituation geändert worden ist.

Der Zielkonflikt zwischen außenwirtschaftlichem Gleichgewicht und Preisniveaustabilität

In der Situation mit Importüberschuss führt die Zielannäherung an das außenwirtschaftliche Gleichgewicht zu einer Beschäftigungssteigerung. Dadurch, dass es einen Zielkonflikt zwischen Vollbeschäftigung und Preisniveaustabilität gibt, folgt, dass die Preise steigen. Die Erreichung des außenwirtschaftlichen Gleichgewichts verletzt also in diesem Beispiel das Ziel Preisniveaustabilität.

Der Zielkonflikt zwischen stetigem Wachstum und Vollbeschäftigung

Damit ein vernünftiges Wachstum erreicht werden kann, muss investiert werden. Investitionen erfordern aber eine entsprechende Spartätigkeit. Vermehrtes Sparen bedeutet aber Konsumverzicht und somit sinkende Nachfrage. Sinkende Nachfrage führt zu sinkender Produktion und Beschäftigung. Daraus folgt wieder eine Zielharmonie zwischen stetigem Wachstum und Preisniveaustabilität.

Die Zielharmonie zwischen Vollbeschäftigung und stetigem Wachstum

Bei Vollbeschäftigung entsteht ein hohes Einkommen, aus dem auch bei geringer Sparquote viel gespart werden kann. Höheres Sparen begünstigt hohe Investitionen. Hohe Investitionen sind ein wichtiger Beitrag zu hohem Wirtschaftswachstum. Somit fällt die Bildung von Kapital bei Vollbeschäftigung leichter als bei Arbeitslosigkeit.

Der Zielkonflikt zwischen Vollbeschäftigung und Umweltschutz

Hohe Beschäftigung bedeutet hohe Produktion mit einem hohen Ausstoß an Schadstoffen, durch den die Umwelt geschädigt wird.

Der Zielkonflikt zwischen Umweltschutz und Vollbeschäftigung

Ebenso wird vermutet, dass durch die Einführung von Umweltschutzbestimmungen Arbeitsplätze vernichtet werden, weil Produktion verhindert wird. Allerdings wird oft argumentiert, dass
eine frühe Einführung von Umweltschutzbestimmungen der Industrie Wettbewerbsvorteile verschafft, da ausländische Unternehmen erst später nachziehen. Somit würde mittel- oder angfristig Zielharmonie zwischen Umweltschutz und Beschäftigung bestehen.

Die Zielharmonie zwischen stetigem Wachstum und gerechter Verteilung

Die Erreichung hoher Zuwächse in einer Volkswirtschaft erleichtert die staatliche Umverteilung von Geldern. Dann können nämlich Mittel aus den Zuwächsen an die Arbeitnehmer verteilt werden ohne dass die Investitionstätigkeit leidet.

Der Zielkonflikt zwischen gerechter Verteilung und stetigem Wachstum

Hingegen stört in einer Volkswirtschaft ohne großes Wachstum die Umverteilung von Mitteln zu den Arbeitnehmern die Investitionstätigkeit. Damit wird die Grundlage für künftiges Wachstum gestört. Zudem kann durch eine großzügige Umverteilung der Anreiz zur Leistung zerstört werden, was sich auch negativ auf die künftige wirtschaftliche Entwicklung auswirken kann.

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