Suche

Drucken Drucken

Wirtschaftsordnungen

Hier soll ein kurzer Blick auf die Unterschiede zwischen einer (freien) Marktwirtschaft und einer Zentralverwaltungswirtschaft geworfen werden. Nach dem Vergleich dieser beiden Systeme wird kurz das in der Bundesrepublik verwirklichte System der sozialen Marktwirtschaft betrachtet.

Die beiden Formen Marktwirtschaft und Zentralverwaltungswirtschaft sind idealtypische Vorstellungen. In der Realität wird man nie eine der beiden Formen bis ins letzte Detail umgesetzt sehen. In diesem Kapitel sollen die wichtigsten Unterschiede erläutert werden.

Die wichtigste Rolle in einer Marktwirtschaft spielen die Märkte. Sie „entscheiden“ über Investitionen, Angebot, Nachfrage und viele weitere Aktivitäten. In einer Zentralverwaltungswirtschaft werden diese Entscheidungen dem Plan übertragen. In ihm wird festgelegt, wo investiert wird, wer wie viel anbietet und wer wo arbeitet. Hier werden die Entscheidungen also zentral geplant und festgelegt. Ziel der Wirtschaft ist die Planerfüllung. In einer Marktwirtschaft ist jeder Wirtschaftsteilnehmer ein Entscheider – Entscheidungen werden dezentral gefällt. Die für die Entscheidungen nötigen Informationen gewinnen die Wirtschaftssubjekte aus den Preisen[1]. Da die Preise von den Entscheidungen der einzelnen Wirtschaftssubjekte abhängen, kann man auch sagen, dass die Preise die Informationen aller Teilnehmer bündeln. In einer Planwirtschaft werden die Preise vom Plan vorgegeben. Damit die „richtigen“ Preise gefunden werden, muss die Planbehörde über eine sehr große Menge an Informationen verfügen. Dies ist ein Problem, das praktisch nicht zu lösen ist.

Die Rolle des Staates ist in beiden Systemen ebenfalls unterschiedlich. In einer Marktwirtschaft hat der Staat – wenn überhaupt – nur die Aufgabe, vernünftige Rahmenbedingungen in Form eines Rechtssystems herzustellen und gegebenenfalls Auswüchse zu korrigieren. In einer Planwirtschaft übernimmt der Staat die Rolle des Planers. Das bedeutet, dass der Staat seine Vorstellungen von einer vernünftigen Wirtschaft umsetzt. Während in einer Marktwirtschaft der Außenhandel frei ist, entscheidet der Staat in einer Zentralverwaltungswirtschaft über den Außenhandel; er erlässt Im- oder Exportverbote, er erhebt Zölle und zahlt Subventionen. Dies sind Aktionen, die dem Staat in der Marktwirtschaft nicht zur Verfügung stehen.

Die Berufs- und Arbeitsplatzwahl ist in einer Marktwirtschaft frei. Hier kann sich jeder – solange es die Märkte zulassen – den Beruf wählen, den er möchte. In einer Zentralverwaltungswirtschaft entscheidet der Plan über den Einsatz des Einzelnen. Die Fähigkeiten spielen bei dieser Entscheidung vielleicht eine Rolle, die Neigungen sind von eher untergeordneter Bedeutung.

In einer Marktwirtschaft können sich aus der freien Berufs- und Arbeitsplatzwahl u.a. folgende Probleme ergeben:

  • Jeder versucht sich in einem Beruf ausbilden zu lassen, für den er sich geeignet hält oder für den er sich interessiert. Der volkswirtschaftliche Bedarf spielt dabei eine untergeordnete Rolle.
  • Es kann zu Arbeitsplatzmangel kommen.
  • Es gibt trotz ausgebildeter Arbeiter freie Arbeitsplätze, weil die Arbeitsbedingungen (Bezahlung, Arbeitsort etc.) nicht akzeptiert werden.
  • Umschulungen und Berufsfördermassnahmen sind nötig.

Im Rahmen einer Marktwirtschaft muss der Staat eine gewisse Vertragsfreiheit garantieren, damit ein Handel zwischen den Wirtschaftssubjekten überhaupt zustande kommt. In einer Zentralverwaltungswirtschaft ist die Vertragsfreiheit eingeschränkt.

Die Produktionsfaktoren sind in einer Marktwirtschaft in Privatbesitz. In einer Zentralverwaltungswirtschaft gehören die Produktionsfaktoren dem Kollektiv – also allen zusammen.

Die soziale Marktwirtschaft

In der Bundesrepublik ist eine soziale Marktwirtschaft eingeführt worden, die – wie alle existierenden Wirtschaftsordnungen – eine Mischform zwischen Marktwirtschaft und Zentralverwaltungswirtschaft ist. Grundlage ist eine Marktwirtschaft. Allerdings übernimmt der Staat bei uns einige Elemente, die sich eigentlich nur in der Zentralverwaltungswirtschaft finden. So kann er an einigen Stellen in die Märkte eingreifen und Verbote erlassen.

Generell gilt in einer Marktwirtschaft, dass der Staat die Freiheit des Einzelnen nicht einschränken sollte. Bei uns ist dies durchaus möglich, wenn es dem Gemeinwohl dient (Enteignung gegen Entschädigung).

Ansonsten kann der Staat das Verhalten der Marktteilnehmer kontrollieren und korrigieren. Wichtige Möglichkeiten sind das Verbot von Kartellen, die Missbrauchsaufsicht über marktbeherrschende Unternehmen, das Verbot von sittenwidrigen Geschäften und der Verbraucherschutz. Weitere wichtige Möglichkeiten sind Preis- und Lohnstopps, Höchst-, Mindest- und Festpreise sowie die Beschneidung der Einkommen durch die Steuerprogression.

Die gesamte Wirtschaftspolitik des Staates ist ein Element, dass in einer freien Marktwirtschaft nichts zu suchen hat. Ebenso ist dort eine Verteilungspolitik des Staates nicht vorgesehen.

Footnotes    (↵ returns to text)
  1. An dieser Stelle sei an die Funktionen des Gleichgewichtspreises erinnert.
Drucken Drucken

Schreibe einen Kommentar

Insert math as
Block
Inline
Additional settings
Formula color
Text color
#333333
Type math using LaTeX
Preview
\({}\)
Nothing to preview
Insert