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Wirtschaftspolitische Ziele: Geldwertstabilität

Unser Geld hat zwei messbare Werte

  • einmal den Außenwert, der den Wert unseres Geldes gegenüber anderen Währungen angibt und
  • den Binnenwert, der den Wert des Geldes im Inland angibt.

Die Politik konzentriert sich überwiegend auf den Binnenwert des Geldes; dies nennt man dann auch Preisniveaustabilität. Wenn im folgenden statt über Geldwertstabilität lediglich über Preisniveaustabilität gesprochen wird, ist dies eine Vereinfachung, die aus der Handhabung dieses Ziels in der Realität folgt.

Die Preisniveaustabilität wird durch die Inflationsrate gemessen. Die Inflationsrate wird durch das Statistische Bundesamt in Wiesbaden ermittelt. Es legt einen Warenkorb fest und vergleicht über die Jahre, wie viel Geld für diesen Warenkorb ausgegeben werden muss. Daraus wird dann die Inflationsrate berechnet.

Als Inflation kennzeichnet man einen Zustand eines stetig steigenden Preisniveaus. Die Inflationsrate ist positiv und die Kaufkraft des Geldes sinkt. Folgen einer solchen Entwicklung sind die Entwertung des Geldes und die Verringerung von Geldvermögen – für sein Geld bekommt man immer weniger Güter. Dies kann dazu führen, dass die Käufer versuchen, ihr (bald wertloses) Geld so schnell wie möglich los zu werden – sie kaufen oft dauerhafte Güter wie Immobilien oder Edelmetalle; man nennt dies Flucht in die Sachwerte. Dies heizt die Inflation zusätzlich an. Die Schulden werden durch eine Inflation real geringer. Da mit der Zeit auch die Einkommen steigen, kann man Schulden auch leichter zurück zahlen. Die Banken werden mit einer Erhöhung der Zinssätze reagieren. Die Unternehmen werden ihre Produktion drosseln, da sie für ihre Produkte nur (wertloses) Geld bekommen – Folge einer Inflation kann letztendlich der Zusammenbruch der  Wirtschaft sein. Oft entsteht eine Parallelwährung und Handel findet vermehrt auf
Schwarzmärkten statt.

Bei der Entstehung der Inflation unterscheiden wir zwischen geldmengeninduzierter, angebotsinduzierter und nachfrageinduzierter Inflation. Angebotsinduziert bedeutet, dass der Impuls zur Preiserhöhung von der Angebotsseite der Volkswirtschaft kommt. Die Produktion kann teuerer werden, weil Produktionsfaktoren oder Rohstoffe teuerer werden. Dementsprechend spricht man von Rohstoffkosten-, Lohnkosten- oder Zinskosteninflation. Wollen die Anbieter eine höhere Gewinnmarge erlangen, spricht man von Gewinninflation. Nachfrageinduziert heißt eine Inflation, wenn durch eine steigende Nachfrage Raum für Preiserhöhungen entsteht. Je nachdem, wer mehr nachfragt, unterscheidet man Staats-, Konsum- oder Investitionsinflation. Steigt die ausländische Nachfrage, spricht man von importierter Inflation. Eine geldmengeninduzierte Inflation entsteht, wenn die Geldmenge schneller wächst als die Gütermenge. Dabei ist die Vorstellung, dass jeder Geldschein unter Umständen öfter als einmal innerhalb einer Periode ausgegeben wird (dies ist die sogenannte Umlaufgeschwindigkeit des Geldes). Nach einer Formel muss das effektiv verfügbare Geld (Umlaufgeschwindigkeit multipliziert mit der Geldmenge) dem Güterwert (Preisniveau multipliziert mit der Gütermenge) entsprechen. Wenn man also in einer Periode 5.000 Geldeinheiten bei einer Umlaufgeschwindigkeit von 1 hat und 500 Gütereinheiten, so ergibt sich ein Preisniveau (P) von 10 (5.000 €*1=P*500 €). Steigt in der nächsten Periode die Geldmenge auf 6.000, die Umlaufgeschwindigkeit auf 1.2 und die Gütermenge auf 600, so
erhält man eine Preisniveau von 12 (6.000 €*1,2=P*600 €). Die Formel, die hinter dieser Gleichung steht, heißt auch Quantitätsgleichung des Geldes:

    \[\mbox{Umlaufgeschwindigkeit}*\mbox{Geldmenge}=\mbox{Preisniveau}*\mbox{Guetermenge}.\]

Preisniveaustabilität würde bedeuten, dass wir eine Inflationsrate von Null haben, also der Warenkorb genau so viel kostet wie im Basisjahr. Dieses Ziel ist jedoch sehr schwer zu erreichen. Daher gibt man sich mit Inflationsraten in Höhe von 2-3 % zufrieden. Bei höheren Inflationsraten spricht man von Inflation. Ein sehr schnell steigendes Preisniveau im Inland kann negative Auswirkungen auf den Export haben. Wenn die Güter im Inland teurer werden als im Ausland, werden die Ausländer verstärkt eigene Güter kaufen und die heimischen Güter weniger stark nachfragen.

Einen Zustand mit negativer Inflationsrate nennt man Deflation. Das Preisniveau fällt dabei über die Zeit. Dieses kann zur Folge haben, dass die Nachfrager mit ihrer Kaufentscheidung warten und somit für einen Einbruch der Produktion sorgen. Eine ausgeprägte Deflation herrschte in Deutschland Anfang der 30er Jahre mit der Folge eines massiven Einbruchs der Beschäftigung. Dieser Produktionrückgang und die Deflation wurden durch einen strikten Sparkurs der Regierung hervor gerufen. Ein bisschen Inflation kann also ganz gut für eine Volkswirtschaft sein.

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