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Wechselkurssysteme

Wir unterscheiden drei verschiedene Währungssysteme:

  • flexible (oder freie) Wechselkurse,
  • feste (oder starre) Wechselkurse und
  • flexible Wechselkurse mit Bandbreiten (oder auch feste Wechselkurse mit Bandbreiten).

Freie Wechselkurse (auch flexible Wechselkurse) hat der € z.B. gegenüber dem US-\\). Sie sind dadurch gekennzeichnet, dass die Zentralbanken der beteiligten Länder nicht eingreifen. Der Wechselkurs wird ganz alleine am Devisenmarkt durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Es gibt keine Stützungskäufe für Währungen. Der Vorteil eines flexiblen Wechselkurssystems ist, dass das außenwirtschaftliche Gleichgewicht automatisch hergestellt wird. Schauen wir uns dazu eine Situation mit einem Exportüberschuss an. Ein Exportüberschuss bedeutet ein \\)-Überangebot am Devisenmarkt. Ein Überangebot an einem Markt führt zu einer Preissenkung, in diesem Fall zu einer Aufwertung. Eine Aufwertung hat aber zur Folge, dass die Exporte schwerer und die Importe leichter werden. Der Markt befindet sich erst dann im Gleichgewicht, wenn das Devisenangebot gleich der Devisennachfrage ist – oder wenn Exporte und Importe übereinstimmen. Der Markt sorgt bei flexiblen Wechselkursen dafür, dass Handelsungleichgewichte beseitigt werden. Allerdings ist ein solcher Markt durch Wechselkurse gekennzeichnet, die sich dauernd ändern können. Dies bedeutet insbesondere für die Unternehmen, dass die Kalkulation des Außenhandelsgeschäftes sehr schwer ist. Entweder geht man das Risiko von Kursschwankungen ein, oder man betreibt Kurssicherungsgeschäfte; letztere kosten aber Geld.

Feste Wechselkurse (auch fixe, starre oder stabile Wechselkurse) gibt es zur Zeit im €-Raum. Die DM hatte bis Ende 2001 gegenüber allen anderen €-Teilnehmerländern etwas, das festen Wechselkurse sehr nahe kam. 

Feste Wechselkurse  werden zwischen den betroffenen Regierungen (nicht zwischen den Zentralbanken) vereinbart. Gleichzeitig wird festgelegt, dass die Zentralbanken eingreifen müssen, wenn sich der Devisenmarkt zu dem vorgegebenen Wechselkurs nicht im Gleichgewicht befindet (Interventionspflicht der Zentralbanken). Zu Kursänderungen kann es nur kommen, wenn die Regierungen einen neuen Wechselkurs aushandeln{{1}}[[1]]Diese Möglichkeit haben die Länder, die den € eingeführt haben, nicht. Die Wechselkurse waren (und sind) unwiderruflich fest eingeführt. In diesem Aspekt unterscheidet sich der € von einem System fester Wechselkurse.[[1]]. Schauen wir uns an, wie sich hier ein Exportüberschuss des Inlands auswirkt. Ein Exportüberschuss bedeutet, dass auf dem Devisenmarkt zu dem vereinbarten Wechselkurs ein Überangebot an Devisen entsteht. Nun greift die Interventionspflicht der Zentralbank: Sie muss die Devisen solange aufkaufen bis bei dem vereinbarten Wechselkurs das Angebot gleich der Nachfrage ist. Das bedeutet aber im selben Moment, dass die Geldmenge im Inland steigt, weil sie diese Devisen mit heimischen Geld bezahlt. Eine steigende Geldmenge im Inland bei gleichbleibendem Güterangebot lässt die Preise steigen. Diese Preissteigerungen (hier haben wir die importierte Inflation) führen dazu, dass die heimischen Güter für die Ausländer unattraktiver werden. Der Exportüberschuss nimmt also ab. Auch hier gibt es Mechanismen, die ein bestehendes Ungleichgewicht am Devisenmarkt bereinigen. Es kann allerdings Probleme geben: Im Falle eines Importüberschusses muss die Zentralbank Devisen verkaufen. Dies kann sie natürlich nur solange tun, wie sie welche hat. Ist ihr Devisenvorrat aufgebraucht, dann steht sie der Situation hilflos gegenüber und kann ihrer Interventionspflicht nicht nachkommen. Ein fester Wechselkurs hat also zwei Nachteile: Einerseits kann es sein, dass eine Zentralbank ihrer Interventionspflicht nicht nachkommen kann. Andererseits wird das Geldmengenwachstum der Volkswirtschaft durch den Außenhandel mitbestimmt und es können inflationäre Tendenzen vom Ausland ins Inland kommen. Der Vorteil eines solchen Wechselkurssystems ist die relativ sichere Kalkulationsbasis, die die Unternehmen im Außenhandel haben.

Die Beziehungen innerhalb der EU vor Einführung des € waren durch ein Bandbreitensystem gekennzeichnet. Es existiert noch gegenüber denjenigen EU-Ländern, die nicht am € teilnehmen, also England, Dänemark und Schweden.

Bandbreitensysteme vereinigen einige Elemente der oben besprochenen Systeme. Die Regierungen der beteiligten Länder legen gemeinsam einen Mittelkurs (Parität) und eine Bandbreite fest. Diese Werte können nur durch neuen Beschluss der Regierungen geändert werden. Die Bandbreite gibt an, um wie viel der Wechselkurs maximal vom Mittelkurs abweichen darf ohne dass eine Interventionspflicht für die Zentralbanken entsteht. Innerhalb dieses Korridors haben wir also flexible Wechselkurse. Werden der obere oder der untere Interventionspunkt erreicht, wird also der Korridor verlassen, müssen die Zentralbanken wie bei festen Wechselkursen eingreifen und die Erreichung des Interventionspunktes sicherstellen. Der Vorteil der flexiblen Wechselkurse wird hier mit einer relativ großen Planungssicherheit der Unternehmen verbunden, weil sich die Wechselkurse nur in einem überschaubaren Rahmen verändern können.

Eine Wechselkurspolitik im eigentlichen Sinne ist in einem System freier Wechselkurse nicht möglich, da der Staat nicht in den Markt eingreifen darf. Bei festen Wechselkursen spielt die Festlegung des Wechselkurses eine zentrale Rolle. Im Zusammenhang mit dem € haben die beteiligten Regierungen diese Möglichkeit jedoch wieder aufgegeben, weil die Kurse der Währungen zum € für alle Zeit fixiert sind. Wechselkurspolitik spielt also eine eher untergeordnete Rolle. Eher selten beobachtet man Eingriffe der Zentralbanken in die Devisenmärkte.

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