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Die Geldpolitik der EZB

In diesem Abschnitt werden die Instrumente der Europäischen Zentralbank (EZB) vorgestellt. Bis zum 21.12.1998 war die Deutsche Bundesbank Träger der Geldpolitik. Mit der Einführung des € ist diese Kompetenz auf die EZB übergegangen.

Das Gremium der EZB, das die Entscheidungen trifft, ist der EZB-Rat. Er besteht aus den Präsidenten der nationalen Zentralbanken (u.a. der Präsident der Deutschen Bundesbank) und den Mitgliedern des EZB-Direktoriums. Dem Direktorium gehören der Präsident, der Vizepräsident und vier weitere Mitglieder an, die einvernehmlich von den Regierungen der €-Länder (durch deren Staats- bzw. Regierungschefs) bestimmt werden. Der Zentralbankrat handelt eigenverantwortlich. Die Bundesbank ist lediglich ein ausführendes Organ der EZB.

Während die Fiskalpolitik versucht, Angebot oder Nachfrage auf den Märkten zu beeinflussen, verändert die Geldpolitik die Geldmenge. Sie versucht dadurch Einfluss auf die Zinsen und damit die Kreditnachfrage zu bekommen. Aus einer niedrigeren (höheren) Kreditnachfrage folgt eine Dämpfung (Belebung) der Wirtschaft.

Die EZB hat vefschiedene Instrumente, die sie für ihre Geldpolitik einsetzen kann.

Die Leitzinsen

Die EZB hat die Möglichkeit, drei Zinssätze festzulegen:

  • den Zinssatz für die Einlagenpolitik,
  • den Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Reposatz) und
  • den Zinssatz für die Spitzenrefinanzierungsgeschäfte.

Bei der Einlagenpolitik legt die EZB den Zinssatz fest, den die Banken für Geld bekommen, das sie bei der EZB hinterlegen können oder müssen. Im Boom sollte dieser Zinssatz hoch sein, damit die Banken mehr Geld bei der EZB hinterlegen und weniger Kredite vergeben. Dies dämpft die wirtschaftliche Entwicklung.

Die Hauptrefinanzierungsgeschäfte werden in Form von Krediten gegen Hinterlegung von Wertpapieren.[1] Die Laufzeit der Kredite beträgt 14 oder – bei den längerfristigen Refinanzierungsgeschäften – um die 90 Tage.[2]

Die Banken haben also für den Zeitraum der Laufzeit des Geschäftes mehr Geld, um damit Kredite zu vergeben. Da diese Geschäfte wöchentlich bzw. monatlich abgewickelt werden, können die Banken ein Geschäft immer mit einem folgenden ablösen; vorausgesetzt sie haben genügend Wertpapiere. Diese Form des Geschäftes kann von den Banken aber nicht in endloser Höhe in Anspruch genommen werden. Die Gelder werden vielmehr mit Hilfe des (modifizierten) Zinstenderverfahrens[3] verteilt. Dieses soll im folgenden erklärt werden:

Beim Zinstenderverfahren geben die Banken Gebote in Form von Zinsen ab, die sie für das bereitgestellte Geld bezahlen wollen. Die EZB verkündet, dass sie zu einem bestimmten Datum einen Geldbetrag mit bestimmter Laufzeit ausgibt. Zudem legt sie einen Mindestzins[4] fest, der geboten werden muss[5]. Die Banken nennen daraufhin die Geldsumme, die sie haben möchte und den Zinssatz, den sie dafür zu zahlen bereit sind.[6] Es handelt sich hierbei um Gebote, wie sie so ähnlich auch bei öffentlichen Ausschreibungen erfolgen. Jede Bank hat nur eine Möglichkeit, ein Gebot abzugeben. Die Wünsche der Banken werden nach der Höhe der Zinssätze befriedigt. Wenn die EZB z.B. 20.000 € ausschreibt und Bank A sich 10.000 € zu 3% wünscht, Bank B 12.000 € zu 3,5% und Bank C 11.000 € zu 4%, dann erhält Bank C 11.000 € und Bank B 9.000 zu 3,5%. Bank A geht leer aus. Die EZB hat die Möglichkeit, die Geldmenge zu erhöhen, wenn ihr der Zinssatz, der sich durch das Bieteverfahren ergibt, zu hoch erscheint. Im Boom sollte die EZB einen hohen Zinssatz fordern und die bereitgestellte Geldmenge einschränken, damit die Banken weniger Kredite vergeben und die Wirtschaft so gedämpft wird.

Bei der Spitzenrefinanzierungspolitik[7] wird der Zinssatz für die Spitzenrefinanzierungsfazilität durch die EZB festgelegt.[8]ken immer die gesamte Summe als Kredit vergeben und die Haushalte das komplette Geld wieder einzahlen. Das neu geschaffene Geld ergibt sich durch Subtraktion des Bargeldes von dem oben berechneten Betrag. Man sieht: Je höher der Mindestreservesatz ist, umso eher wird dieser Zustand erreicht. Bei einem Mindestreservesatz von 100 % können die Banken keine Kredite vergeben, bei einem Mindestreservesatz von 0 % kann dieser Prozess unendlich lang laufen – siehe das Beispiel, das zur Erläuterung der Buchgeldschaffung angeführt wurde. Im Boom sollte der Mindestreservesatz folglich hoch sein. Der Prozess der Buchgeldschaffung wird durch eine freiwillige Kassenhaltung der Bank gebremst.

Die ehemaligen Instrumente der Deutschen Bundesbank

Der Deutschen Bundesbank standen bis zum 31.12.1998 weitere Instrumente zur Verfügung. Diese kann sie heute nicht mehr anwenden, da sie keine Entscheidungsbefugnis hat. Die EZB wendet diese Instrumente ebenfalls nicht an.

Diskontpolitik

Banken können Wechsel vor Fälligkeit an die Bundesbank verkaufen, um an liquide Mittel zu kommen. Die Bundesbank wiederum löst die Wechsel bei Fälligkeit ein. Für die vorfristige Übernahme müssen die Banken eine Gebühr in Höhe des Diskontsatzes zahlen. In einer Phase der Hochkonjunktur wird die Bundesbank den Diskontsatz erhöhen. Damit wird die Einlösung von Wechseln für die Banken teurer. Die Banken werden daraufhin weniger Wechsel einlösen. Dies verknappt das Geldangebot mit der Folge, dass der Zinssatz steigt. Ein steigender Zinssatz bedeutet höhere Kosten bei Investitionen und Konsumkrediten, mit der Folge, dass die Nachfrage sinkt. Die Wirtschaftsentwicklung wird gedämpft. Eine Diskontsatzsenkung ist eine belebende wirtschaftspolitische Maßnahme: Über sinkende Zinsen wird mehr investiert und konsumiert, mehr Leute werden beschäftigt und die Nachfrage steigt.

Die Festlegung der Rediskontkontingente

Die Rediskontkontingente legen neben den Anforderungen, die an Wechsel gestellt werden, auch die Höhe der Wechsel fest, die eine Bank bei der Bundesbank einreichen kann. Eine Kürzung dieser Kontingente bewirkt also eine Verknappung der liquiden Mittel mit der Folge, dass die Wirtschaft gedämpft wird.

Lombardpolitik

Die Lombardpolitik heißt heute Spitzenrefinanzierungspolitik. Sie ist nur umbenannt worden.

Die Devisenpolitik

Ähnlich wie Wertpapiere kann die Bundesbank Devisen (ausländisches Geld) kaufen und verkaufen. Sie kann dabei – neben den binnenwirtschaftlichen Wirkungen – auch Einfluss auf das
außenpolitische Gleichgewicht der Volkswirtschaft nehmen und sie kann versuchen die Wechselkurse stabilisieren. Hier interessiert aber nur die Wirkung der Devisenpolitik auf die Binnenwirtschaft. Genau wie der Kauf von Wertpapieren wirkt auch der Kauf von Devisen expansiv; ein Verkauf wirkt dämpfend auf die Wirtschaft. Die Gründe sind die gleichen, wie sie im Abschnitt über die Offenmarktpolitik genannt wurden. Die Devisenpolitik ist kein geeignetes Mittel der Geldpolitik: Wenn freie Wechselkurse vereinbart wurden, darf die Bundesbank keine Devisen am Markt handeln, wenn feste Wechselkurse vereinbart wurden, muss sie bei bestimmten Gelegenheiten eingreifen – ob sie will oder nicht.

Generell gibt es ein Problem mit der Geldpolitik. Sie ist geeignet, eine gut laufende Wirtschaft zu dämpfen. Wen dieser Wirtschaft Geld entzogen wird, werden die Zinsen steigen, weniger Kredite vergeben, und die Nachfrage sinkt. Damit eine schwache Wirtschaft angeregt wird, soll mehr Geld bereitgestellt werden. Dies kann die EZB tun. Die Politik entfaltet ihre Wirkung aber erst, wenn Banken und in der Folge Unternehmen dieses Angebot in Anspruch nehmen, wenn sie dies nicht tun, ist die Geldpolitik wirkungslos.

Die EZB versucht mit ihrer Politik Einfluss auf den Marktzins für Kredite zu nehmen. Dieser wird durch Angebot und Nachfrage auf dem Geld- bzw. Kapitalmarkt festgelegt. Dabei stammt das Geldangebot von den Sparer und die Nachfrage zu großen Teilen von Investoren. Neben der EZB beeinflussen daher auch normale konjunkturelle Entwicklungen den Zins. Eine steigende Investitionsneigung – z.B. verursacht durch bessere Gewinnaussichten – wird über höhere Geldnachfrage zu einem steigenden Zins führen. Der Zinsprognose sind z.B. dadurch Grenzen gesetzt, dass die EZB „regelnd“ in diesen Markt eingreift.

Footnotes    (↵ returns to text)
  1. Zu den Wertpapieren zählen dabei bundesbankfähige Wechsel, Schatzwechsel des Bundes, seiner Sondervermögen und der Länder, Schuldverschreibungen und Schuldbuchforderungen dieser öffentlichen Stellen und andere von der Bundesbank bestimmte Schuldverschreibungen.
  2. Früher wurde dieses Geschäft mit Hilfe von sogenannten Wertpapierpensionsgeschäften durchgeführt. Dabei kaufte die Zentralbank Wertpapiere der Banken an. Dieses Geschäft wurde nach vorher festgelegter Zeit (14 oder ca. 90 bzw. 98 Tage) wieder rückgängig gemacht.
  3. Bis zum 1.7.2000 wurde beim Hauptrefinanzierungsgeschäft der Mengentender benutzt. Beim Mengentender gibt die EZB bekannt, dass zu einem bestimmten Datum ein Geschäft dieser Art zu einem vorgegebenen Zinssatz (Reposatz) mit (meist) 14 Tagen Laufzeit gegen Wertpapiere ausgeben wird. Dieser Zinssatz ist niedriger als der Zinssatz für die Spitzenrefinanzierungsfazilität. Die Banken, die bei diesem Verfahren nicht zum Zuge kommen, können sich dann immer noch Geld über den Weg des Lombardgeschäftes (dies ist das alte Wort für die Spitzenrefinanzierung) – zu höheren Kosten – besorgen. Die Banken melden daraufhin bei der EZB ihren Wünsche an. Die Wünsche werden aufaddiert und die EZB vergibt den von ihr festgelegten Betrag nach einer festen Quote. Die Quote ergibt aus dem Quotienten von bereitgestellter Geldmenge und gewünschter Geldmenge. Stellt die EZB also z.B. 10 Mrd. € bereit und die Banken wünschen 50 Mrd. €, so bekommt jede Bank 20% ihres Wunsches.
  4. Dieser Mindestzins wird bei den längerfristigen Refinanzierungsgeschäften nicht festgelegt; dort bieten die Banken frei.
  5. Dieser Zinssatz ist der wichtigste Zinssatz, den die EZB festlegt.
  6. Es gibt eine 24-stündige Meldefrist. Die Meldungen werden per e-Mail
    abgegeben.
  7. Der frühere Name dieser Art von Politik ist Lombardpolitik.
  8. Fazilität ist ein anderer Name für bereitgestellte Geldmittel.[[9]] Dies ist der Zinssatz, zu dem Banken einen Kredit bei der EZB gegen Hinterlegung von Wertpapieren bekommen können. Im Boom sollte auch dieser Zinssatz hoch sein.

    Der Zinssatz für die Einlagenfazilität ist geringer als der Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsfazilität und dieser wiederum ist geringer als der Zinssatz für die Spitzenrefinanzierungsfazilität.

    Neben der Festlegung der Leitzinsen kann die EZB noch über den Mindestreservesatz bestimmen.

    Die Mindestreservepolitik

    Die Banken müssen einen Teil der bei ihnen deponierten Sichtguthaben gegen Verzinsung mit dem Zinssatz für die Einlagenfazilität bei der EZB hinterlegen. Die Banken können mit
    Hilfe der Sichteinlagen neues Geld schaffen, indem sie dieses Geld verleihen. Die Mindestreserve sorgt dafür, dass dieses nicht unendlich geschehen kann: Ein Teil der Sichtguthaben muss bei der EZB gelagert werden und wird so dem Verkehr entzogen. Erhöht die EZB den Mindestreservesatz, dann müssen die Banken mehr Geld bei ihr hinterlegen und können weniger Kredite vergeben. Die Kreditzinsen werden steigen und somit werden Investitionen und Konsum abnehmen. Die wirtschaftliche Entwicklung wird gedämpft. Eine Senkung des Mindestreservesatzes bewirkt hingegen über steigende Investitionen und steigenden Konsum eine Belebung der Wirtschaft.

    Den Einfluss der Mindestreserve auf die Geldmenge kann man dem folgenden Beispiel entnehmen. Dabei wird nur von einem 1000 €-Schein ausgegangen und einem Mindestreservesatz von 50 %. Die Zahlen in der Tabelle unter Mindestreserve (MR) und Sichtguthaben (SGH) sind immer aufsummierte Werte.

    AktionGeldbestandSichtguthabenMindestreserveGeldmenge (M1)
    HaushalteBanken
    Kunde zahlt 1.000 € ein0 €500 €1.000 €500 €1.000 €
    Kredit 500 € 500 €0 €1.000 €500 €1.500 €
    Kunde zahlt 500 € ein0 €250 €1.500 €750 €1.500 €
    Kredit 250 €250 €0 €1.050 €750 €1.750 €
    Kunde zahlt 250 € ein0 €125 €1.750 €875 €1750 €
    Endstand0 €0 €2.000 €1.000 €2.000 €

    Dieser Prozess lässt sich weiter fortsetzen. Er endet, wenn die Mindestreserve 1000 € beträgt. In diesem Zustand ist die Geldmenge bei einer Mindestreserve von 50% bei 2.000 €. Generell gilt, dass die maximale Geldmenge gerade

        \[\mbox{Geldmenge}=\frac{\mbox{Geldmenge*100}}{\mbox{Reservesatz}}\]

    ist, we

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