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Die Aktiengesellschaft (AG)

Zweck und Rechtsstellung: Die Aktiengesellschaft (AG)} ist – wie die GmbH – eine Handelsgesellschaft mit eigener Rechtspersönlichkeit, also eine juristische Person (§ 3 AktG). Die „Gesellschafter“ der AG heißen Aktionäre. Sie halten das in Aktien zerlegte Grundkapital der Gesellschaft ohne persönlich für Verbindlichkeiten der AG zu haften.

Das Grundkapital einer AG entspricht dem Aktiennennwert{{1}}[[1]]Der Nennwert ist der Wert, der auf den Aktien aufgedruckt ist; davon zu unterscheiden ist der Kurswert, zu dem die Aktie an der Börse gehandelt wird[[1]] aller Aktien. Das Grundkapital muss mindestens 50.000 €  betragen (§§ 7 – 9 AktG). Das Grundkapital kann durch Ausgabe neuer Aktien erhöht werden. Eine Ausgabe von Aktien unter Nennwert ist verboten. Eine Aktie muss einen Nennwert von mindestens 1 €  haben oder auf höhere volle Eurobeträge lauten. Werden Stückaktien ausgegeben, so darf der rechnerische Wert einer Aktie (Der Wert des Grundkapitals  dividiert durch die Anzahl der Aktien) nicht unter einem Euro liegen Anders als bei der GmbH kann ein Aktionär mehrere Anteile halten. Das  Eigenkapital  einer AG besteht neben dem Grundkapital aus den Rücklagen. Diese Rücklagen entstehen z.B., wenn die Ausgabekurs höher als der Nennwert der Aktien ist. Die Differenz zwischen Ausgabe- und Nennwert – es wird als Agio bezeichnet – wird in die Rücklage eingestellt.

Firma: Die Gesellschaft kann die Firma frei wählen, allerdings muss der Zusatz „Aktiengesellschaft“, „AG“ oder eine andere verständliche Abkürzung enthalten sein (§ 4 AktG).

Die Gründung kann durch eine oder mehrere Personen erfolgen, die alle Aktien gegen Einlagen übernehmen (§ 2 AktG).

  1. Die Gründer stellen den notariell zu beurkundenden Gründungsvertrag – die Satzung – auf (§ 23 AktG).
  2. Es sind Bar- und Sachgründungen zulässig (§ 27 AktG), bei Sachgründungen muss der Wert der einzubringenden Sachen in der Satzung festgelegt werden. Dienstleistungen können nicht eingebracht werden (§ 29 AktG). Die Gesellschaft ist mit Übernahme der Aktien – allerdings nur als Gesellschaft bürgerlichen Rechts – errichtet.
  3. Es wird der erste Aufsichtsrat errichtet, der Vorstand und die Abschlussprüfer bestellt.
  4. Die Gründer haben einen Gründungsbericht zu erstellen (§§ 30 – 35 AktG), der vom Aufsichtsrat und den Gründungsprüfern geprüft wird.
  5. Die AG entsteht durch die Eintragung in das Handelsregister  (konstitutive Wirkung). Bis zu diesem Zeitpunkt bilden die Gesellschafter eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts mit der Folge, dass sie mit ihrem Privatvermögen haften.
  6. Bevor die Gesellschaft in das Handelsregister eingetragen werden kann, müssen die  Gründer mindestens ein Viertel des geringsten Ausgabebetrags zuzüglich eines möglichen Mehrbetrags einzahlen (§§ 36, 36a AktG); Sacheinlagen sind vollständig zu leisten; Verpflichtungen, die festgeschrieben sind, müssen spätestens fünf Jahre nach Eintragung der Gesellschaft in das Handelsregister geleistet sein. Mit der Eintragung in das Handelsregister ist die AG errichtet (§ 41 AktG). Gesellschafter, die der Einzahlungspflicht nicht nachkommen, können einem Kaduzierungsverfahren{{2}}[[2]]Sollte ein Gesellschafter – auch nach Mahnung – seiner Zahlungspflicht nicht nachkommen, kann er seinen Geschäftsanteil und die geleisteten Teilzahlungen zugunsten der Gesellschaft verlieren. Der ausgeschlossene Gesellschafter haftet weiterhin mit dem noch ausstehenden Betrag.[[2]] unterzogen werden (§ 64 AktG).

Die Aktionäre haben folgende Rechten und Pflichte:

  • Die Aktionäre müssen ihre Einlage leisten. Bei Bargründungen sind mindestens 25% des geringsten Ausgabebetrags und das volle Agio (Differenz zwischen Kurs- und Nennwert) einzuzahlen (§§ 36, 36a, 54 AktG). Sacheinlagen sind voll  einzubringen,
  • Recht auf Teilnahme an der Hauptversammlung (§ 118 AktG),
  • Stimmrecht in der Hauptversammlung (prinzipiell pro Aktie ein Stimmrecht, § 134 AktG),
  • Recht auf Anteil am Gewinn (Dividende) nach dem Verhältnisder Nennbeträge bzw. dem Verhältnis der Anteile bei nennwertlosen Aktien (§§ 58, 60 AktG),
  • Recht auf Bezug\RB{§ 186} junger Aktien{{3}}[[3]]Das sind Aktien, die bei Kapitalerhöhungen des Unternehmens ausgegeben werden.[[3]] imVerhältnis der Kapitalerhöhung zum alten Grundkapital (Bezugsrecht, 186 AktG).
  • Recht auf Anteil am Liquidationserlös (§ 271 AktG),
  • Auskunftsrecht über Angelegenheiten der Gesellschaft, soweit diese zur sachgemäßen Beurteilung des Gegenstandes der Tagesordnung erforderlich ist (§ 131 AktG),
  • Anfechtung von Beschlüssen der Hauptversammlung wegen Verstoßes gegen ein Gesetz oder die Satzung (§234 AktG).
Organe der AG
Organe der AG

Organe der AG: Eine Aktiengesellschaft hat drei Organe:

  1. den Vorstand als leitendes Organ,
  2. den Aufsichtsrat als kontrollierendes Organ und
  3. die Hauptversammlung als beschlussfassendes Organ.

Der Vorstand leitet die AG eigenverantwortlich (§ 76 AktG). Er kann aus einer oder mehreren Personen bestehen. Bei mehreren Personen besteht Gesamtgeschäftsführungsbefugnis und Gesamtvertretungsmacht (§ 77 AktG). In der Satzung kann jedoch davon abgewichen werden. Allerdings entscheidet bei Streitigkeiten im Vorstand die Mehrheit (§ 82AktG). Die Vertretungsmacht ist nach außen nicht einschränkbar.

Der Vorstand wird vom Aufsichtsrat auf höchstens 5 Jahre
bestellt  (§ 84 AktG), Wiederwahl ist zulässig. Gleichzeitige Mitgliedschaft in Aufsichtsrat und Vorstand ist verboten. Bei Aktiengesellschaften mit mehr als 3 Mio. €  Grundkapital muss der Vorstand aus mindestens 2 Personen bestehen (§ 76 AktG).{{3}}[[3]]Dieses kann jedoch durch die Satzung eingeschränkt werden.[[3]] Bei Aktiengesellschaften mit mehr als 2.000 Arbeitnehmern und solchen, die dem Montanbereich angehören und mehr als 1.000 Mitarbeiter beschäftigen, gehört dem Vorstand ein Arbeitsdirektor an.  Zusammensetzung und Änderungen des Vorstandes sind in das Handelsregister einzutragen und zu veröffentlichen (§ 81 AktG). Vorstandsmitglieder beziehen in der Regel ein festes Angestelltengehalt und eine erfolgsabhängige Tantieme (§ 86 AktG).

Der Vorstand hat die Aktiengesellschaft nach bestem Wissen und Gewissen zu leiten (§ 93 AktG). Ansonsten sind die Mitglieder des Vorstandes schadenersatzpflichtig. Die Mitglieder des Vorstands unterliegen einem Wettbewerbsverbot (§ 88 AktG). Der Vorstand muss vierteljährlich einen Bericht an den Aufsichtsrat senden, in dem er über den Gang der Geschäfte und die Lage des Unternehmens berichtet (Auftragseingänge,
Liquidität und Gewinnerwartung).

Der Vorstand muss die Handelsbücher führen und in  den ersten drei Monaten des Geschäftsjahres den Jahresabschluss mit Schlussbilanz, Gewinn und Verlustrechnung und Lagebericht erstellen (§§ 90 -92 AktG). Diese Unterlagen sind dem Aufsichtsrat zwecks Prüfung vorzulegen. Er hat die Hauptversammlung einzuberufen und ihr Vorschläge für die Verwendung des Bilanzgewinns zu unterbreiten. Bei Zahlungsunfähigkeit hat er das Vergleichs- oder Insolvenzverfahren einzuleiten (§ 121 AktG).

Der Aufsichtsrat (§§ 95 – 116 AktG) ist das Kontrollorgan der Aktiengesellschaft. Seine Mitglieder erhalten in der Regel eine gewinnabhängige Vergütung (Tantieme).

Aufgaben: Der Aufsichtsrat bestellt den Vorstand, überwacht ihn und beruft ihn ab. Er prüft den Jahresabschluss, den Lagebericht, den Prüfungsbericht des Abschlussprüfers und den Vorschlag des Vorstandes für die Verwendung des Jahresgewinns. Die Hauptversammlung ist über das Ergebnis der Prüfung schriftlich zu informieren. Der Aufsichtsrat hat eine außerordentliche Hauptversammlung einzuberufen, wenn es das Wohl der Gesellschaft erfordert.

In der Hauptversammlung (§ 118 AktG) übt der Aktionär sein Stimmrecht aus. Außerdem hat er ein Auskunftsrecht (§ 131 AktG) über die Belange der Aktiengesellschaft. Die Hauptversammlung tagt einmal im Jahr, spätestens 8 Monate nach Ende des letzten Geschäftsjahres (§ 120 AktG). Dort werden Jahresabschluss, Prüf- und Lagebericht entgegengenommen sowie über die Verwendung des Jahresgewinns beschlossen. Sie beschließt zudem über die Entlastung des Vorstandes und des Aufsichtsrates (§§ 119, 120 AktG). Wird die Entlastung verweigert, so kann der Aufsichtsrat die Bestellung eines oder mehrer Vorstandsmitlgieder widerrufen (§ 84 AktG). In der Hauptversammlung werden der Abschlussprüfer und die Vertreter der Anteilseigner im Aufsichtsrat gewählt und evtl. mit 3/4-Mehrheit vor Ende der Amtszeit abberufen. Die Hauptversammlung entscheidet über Satzungsänderungen, Kapitalerhöhungen oder -herabsetzungen, Fusionen (mit 3/4-Mehrheit) und die Auflösung der Gesellschaft. Dabei wird das Stimmrecht nach Aktienanteilen ausgeübt (§§ 131 – 140). Sobald ein Aktionär 25% plus eine Aktie einer Aktiengesellschaft besitzt, muss dieses der Gesellschaft mitgeteilt werden, weil er dann Beschlüsse, die mit 3/4-Mehrheit gefällt werden müssen, verhindern kann. Beschlüsse der Hauptversammlung müssen notariell beurkundet werden (§ 130 AktG).

Über die Gewinnverwendung wird von der Hauptversammlung beschlossen. Sie hat die Möglichkeit, den Gewinn als Dividende auszuzahlen und/oder einen Gewinnvortrag zu bilden. Vereinfacht berechnet sich dies wie folgt:

Bruttogewinn
=Erträge - Aufwendungen
-Tantiemen für Vorstand und Aufsichtsrat
-gewinnabhängige Steuern (Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer)
=Jahresüberschuss oder Jahresfehlbetrag
+Gewinnvortrag aus dem letzten Jahr
-Verlustvortrag aus dem letzten Jahr oder
+Entnahmen aus Gewinnrücklagen
-Einstellungen in die gesetzliche Rücklage (falls erforderlich)
-Einstellungen in andere Gewinnrücklagen
=Bilanzgewinn oder Bilanzverlust
-Dividendenausschüttung an Aktionäre
=Gewinn- oder Verlustvortrag für das nächste Jahr

5% des Jahresüberschusses, der um einen etwaigen Verlustvortrag gemindert wird, sind in die gesetzliche Rücklage einzustellen, und zwar so lange, bis gesetzliche Rücklagen und Kapitalrücklagen 10% oder den in der Satzung bestimmten höheren Teil des Grundkapitals erreichen.  Einstellungen in andere Gewinnrücklagen sind bis zur Hälfte des Jahresüberschusses möglich. Der verbleibende Überschuss ist der Bilanzgewinn. Über die Verwendung des Bilanzgewinns entscheidet die Hauptversammlung.

In der Bundesrepublik gibt es mehr als 5.500 Aktiengesellschaften (1999). Die niedrigen Kosten ermöglichen es vielen Leuten, sich am Kapital des Unternehmens zu beteiligen. Eine Wiederveräusserung ist schnell möglich Die Haftung des Kapitalgebers ist auf sein
Aktienkapital beschränkt. Allerdings hat ein einzelner Aktionär in der Regel wenig Einfluss auf die Entscheidungen.

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