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Der Konjunkturzyklus

Wie beim Ziel stetiges Wirtschaftswachstum bereits kurz angeklungen ist, entwickelt sich ein Volkswirtschaft nicht immer mit gleicher Wachstumsrate. Es kommt vielmehr zu verschiedenen Schwankungen. Eine Art Schwankung haben wir bereits kennengelernt, als wir die Arten der Arbeitslosigkeit besprochen haben: die saisonalen Schwankungen. Jahreszeit und Wetter können durchaus Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung haben. Diese Schwankungen interessieren uns im folgenden nicht. Wir wollen uns hier auf die Konjunkturschwankungen konzentrieren. Das Idealbild einer wachsenden Wirtschaft ist eine Wirtschaft mit konstanter Wachstumsrate. Diesen Wachstumsverlauf nennt man Trend. Um diesen Trend herum gibt es die angesprochenen Konjunkturschwankungen. Man geht momentan davon aus, dass ein solcher Konjunkturzyklus, der aus Aufschwung (Expansion), Hochstand (Boom), Rezession (Abschwung) und Tiefstand (Depression) besteht, ungefähr 4 bis 5 Jahre dauert. Dem Staat obliegt mit seiner antizyklische Konjunkturpolitik dafür zu sorgen, dass die Konjunkturausschläge nicht zu groß werden. Im folgenden werden wir die einzelnen Konjunkturphasen genauer betrachten. In der Abbildung ist die Entwicklung des Bruttosozialprodukts über einen Zeitraum schematisch angegeben. Die Namen der einzelnen Konjunkturphasen und ihre zeitliche Zuordnung im Konjunkturzyklus können sie der Abbildung ebenfalls entnehmen. Wir wollen sie im folgenden noch etwas genauer beschreiben.

Ein Konjunkturzyklus
Ein Konjunkturzyklus

Unter Konjunktur versteht man ganz allgemein den Zustand der Wirtschaft. Dazu stellt man sich die maximal mögliche Produktion vor. Dazu müssten alle Produktionsfaktoren ohne Verschwendung – also effizient – eingesetzt werden. Der aktuelle Zustand wird also mit einem Zustand verglichen, der nur gedacht ist. Den zustand der Wirtschaft kann man also nicht direkt messen, sondern nur mit Hilfe von Konjunkturindikatoren. Dies sind Hilfsmittel zur Messung der wirtschaftlichen Leistung. Die Tabelle unten gibt einen Überblick über einige Konjunkturindikatoren.

In der Depression (Im Tiefstand) herrscht starke Unterbeschäftigung und eine geringe Nachfrage nach Gütern, da die Einkommen nicht sehr hoch sind. Die Preise sind relativ stabil, da einerseits die Nachfrage gering ist und andererseits die Gewerkschaften nicht sehr viel Macht in den Tarifverhandlungen haben. Da nicht viel investiert wird, ist auch die Nachfrage nach Geld gering und die Zinsen mithin niedrig.

Im Aufschwung nutzen die Unternehmen zuerst die brachliegenden Kapazitäten und stellen zusätzliche Arbeitskräfte ein. Die Arbeitslosenzahl sinkt. Trotz zunehmender Beschäftigung steigen die Preise nicht übermäßig stark, weil die Unternehmen damit drohen können statt zusätzlicher Arbeiter ungenutzte Maschinen einzusetzen. Die Investitionen steigen langsam, daher beginnen gegen Ende des Aufschwungs die Zinsen zu steigen.

Im Boom sind Nachfrage und Beschäftigung hoch. Die Preise steigen stark, ebenso die Zinsen, weil die Unternehmen die Kapazitäten ausbauen wollen. Die steigenden Zinsen verhindern ein weiteres Ansteigend er Investitionsgüternachfrage.

Der Abschwung (die Rezession) ist durch ein Nachlassen der Nachfrage und damit einen Rückgang der Beschäftigung gekennzeichnet. Gegen Ende des Booms erkennen die Leute, dass es so nicht endlos weiter gehen kann, sie werden vorsichtig und sparen verstärkt. Dieses führt zu dem Nachfragerückgang. Die unternehmen erkennen, dass sie große Kapazitäten aufgebaut haben und investieren daher in dieser Phase kaum. Die Zinsen fangen an zu sinken.

Auf den Konjunkturverlauf haben viele Dinge Einfluss. Auf der einen Seite sind dies Gründe, die auf die Nachfrage wirken – die Stimmung der Konsumenten, die Gewinnaussichten der Unternehmen, die Nachfrage von Staat und Ausland. Auf der anderen Seite sind es Faktoren, die das Angebot beeinflussen, vor allem Angebotsmenge und -preise. Wenn die Spanne zwischen der Kapazität (der maximal möglichen Produktion) und der tatsächlichen Produktion zu groß wird, müssen die Preise sinken. Dies wiederum regt die Nachfrage an. Im Boom steigen die Preise stark, so dass Konsumentscheidungen auf später verschoben werden. Mithin kommt es dort in einer Situation mit guter Kapazitätsauslastung zu sinkender Nachfrage. Dies kann den konjunkturellen Niedergang einleiten.

Man kann versuchen den konjunkturellen Zustand der Volkswirtschaft mit Hilfe verschiedener Konjunkturindikatoren zu beschreiben. Dieses geschieht in der folgenden Tabelle.

PhaseProduktionArbeitsloseLöhneZinsenInflationsrateSparneigungHaltung
Aufschwungsteigtsinktsteigen leichtsteigen leichtsteigtsinktoptimistisch
Boomhochniedrigsteigen starksteigen starkhochniedrigoptimistisch
Abschwungsinktsteigtmäßigsinken leichtsinktsteigtpessimistisch
Depressionniedrighochsehr mäßigniedrigniedrighochabwartend

Das Ziel der antizyklischen Konjunkturpolitik ist der Ausgleich oder gar die Verhinderung der Konjunkturschwankungen. Dies soll der Staat dadurch erreichen, dass er seine Steuern- und Ausgabenpolitik genau so einsetzt, dass die Wirtschaft in schwachen Phasen angekurbelt und in guten Phasen gebremst wird. Dabei gibt es zwei Denkmodelle: Die nachfrageorientierte und die angebotsorientierte Politik. In wirtschaftlichen schwachen Zeiten würde die angebotsorientierte Politik dem Staat vorschreiben, die Angebotsbedingungen der Unternehmen durch Senkung von Unternehmenssteuern oder Subventionen zu erleichtern. Durch die steigende Produktion wird es dann auch zu einer Senkung der Arbeitslosenzahl kommen. Eine nachfrageorientierte Politik setzt auf eine andere Entwicklung. Hier sollen die Nachfragekräfte gestärkt werden, z.B. durch Einkommensteuersenkungen oder Käufe des Staates. Durch die zusätzliche Nachfrage – so die Hoffnung – wird auch die Produktion steigen und die Wirtschaft die Talsohle verlassen.

In einer Phase, in der es der Wirtschaft gut geht schlägt eine angebotsorientierte Politik eine Erschwerung der Angebotsbedingungen – z.B. durch zusätzliche Unternehmenssteuern oder Streichung von Subventionen – vor. Eine nachfrageorientierte Politik würde durch Steuererhöhungen oder Staatsausgabenkürzungen versuchen die Nachfrage zu verringern. Antizyklisch bedeutet, dass der Staat in schlechten Phasen anregend wird und dabei ein Defizit aufbaut. Dieses Defizit wird – zumindest in der Theorie – in Phasen einer guten Wirtschaft wieder abgetragen, wenn der Staat Ausgaben kürzt und Steuern erhöht. Er arbeitet also genau entgegengesetzt zum Konjunkturverlauf.

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