Suche

Drucken Drucken

Der Konjunktiv/Indirekte Rede

Der Konjunktiv wird in zwei Situationen benutzt:

  • Zur Wiedergabe des von anderen Personen Gesagten benutzt (indirekte Rede) und
  • um einen Wunsche oder eine Aufforderung auszudrücken (Konjunktiv I) oder etwas, dass nicht wahrscheinlich oder nicht erfüllbar ist (Konjunktiv II).

Es gibt drei Zeitstufen beim Konjunktiv:

  1. Gleichzeitigkeit (die Handlung liegt im gleichen Zeitraum wie das Sprechen -> Gegenwart),
  2. Vorzeitigkeit (die Handlung liegt vor dem Sprechzeitpunkt -> Vergangenheit) und
  3. Nachzeitigkeit (die Handlung erfolgt nach dem Sprechzeitpunkt -> Zeitpunkt)

1. Gleichzeitigkeit

Der Konjunktiv I wird gebildet, indem man den Infinitivstamm des Verbs nimmt und die entsprechende Personalendung anhängt. Schauen wir uns ein Beispiel an:

Der Lehrer sagt: „Du gehst nach Hause.“

Dies ist ein Satz im Indikativ (Wirklichkeitsform). Wenn dieser Satz wiedergegeben werden soll, müssen wir den Konjunktiv verwenden.

In dem Fall, dass dieser Satz zu einem anderen Schüler gesagt wurde und ich ihn berichte, lautet er:

Sein Lehrer hat gesagt, er gehe nach Hause.

Der Infinitivstamm des Verbes gehen ist geh. An diesen Stamm wird nun die Personalendung angehängt. Die Personalendungen sind:

PersonPersonalpronomenPersonalendung
1. SingularIch-e
2. SingularDu-est
3. SingularEr, sie, es-e
1. PluralWir-en
2. PluralIhr-et
3. PluralSie-en

Für die 3. Person Singular wird also ein -e angehängt. So kommt das gehe zustande.

Nehmen wir an, der Lehrer habe (Konjunktiv I) mich dazu aufgefordert, nach Hause zu gehen:

Wenn ich diese Satz weiter erzählen wollte und dies nach den obigen Regeln täte, lautete dieser Satz

Der Lehrer hat gesagt, ich gehe nach Hause.

Dieser Konjunktiv I ist nicht vom Indikativ (Ich gehe nach Hause.) zu unterscheiden. Daher wird hier nicht der Konjunktiv I zur Bildung der indirekten Rede herangezogen, sondern der Konjunktiv II.{{1}}[[1]]Dies ist eine der oben erwähnten Ausnahmen bei der Verwendung des Konjunktiv I bei der indirekten Rede. die zweite Ausnahme ist die Wiedergabe eines Inhalts, dem man nicht zustimmt und vom dem man sich distanzieren will.[[1]]

Der Konjunktiv II wird vom Präteritum Indikativ abgeleitet.{{2}}[[2]]Das Präteritum ist die einfache Vergangenheit.[[2]]. Der Verbstamm von gehen im Präteritum ist ging. Daher lautet der Satz im Konjunktiv II

Der Lehrer hat gesagt, ich ginge nach Hause.

Dies kann auch nicht mit dem Indikativ Präteritum (ich ging) verwechselt werden. Ist auch hier eine Verwechslung möglich, dann wir der Konjunktiv mit würde gebildet. Sehen wir uns ein Beispiel dazu an:

Ein Mann sagt: „Ich kaufe mir ein Auto.“

Gibt dieser Mann den Satz im Konjunktiv I wieder, so lautet er:

Ich habe gesagt, ich kaufe mir ein Auto.

Die ist nicht vom Indikativ Präsens unterscheidbar. Der Konjunktiv II lautet:

Ich habe gesagt, ich kauft mir ein Auto.

Dies ist nicht vom Indikativ Präteritum zu unterscheiden, daher wird hier der Konjunktiv mit würde gebildet:

Ich habe gesagt, ich würde mir ein Auto kaufen.

Bei den starken Verben{{3}}[[3]]Starke Verben sind Verben, bei denen der Stammvokal bei der Bildung des Präteritums geändert wird, beispielsweise lesen -> las.[[3]] wird beim Konjunktiv II meist nicht der Stammvokal des Präteritums genommen. Der Konjunktiv II richtet sich weiterhin nach dem Vokal im Präteritum, doch bei a, o, u muss man den Umlaut ä, ö, ü nehmen. Beispiele:

ich lese -> ich las-> ich läse
ich fliege -> ich flog -> ich flöge
ich fahre -> ich fuhr -> ich führe.

Im Zweifel oder wenn die Form zu altertümlich wirkt, kann man würde und den Infinitiv nehmen.

2. Vorzeitigkeit

Vorzeitigkeit bedeutet, dass die Handlung vom Sprechzeitpunkt aus gesehen in der Vergangenheit liegt. Die Konjunktivformen werden mit Hilfe des Perfekts gebildet. Dabei wird das Hilfsverb haben oder sein, mit das Perfekt gebildet wird, in den Konjunktiv gesetzt: Aus

Er sagt:“Ich habe die Hausaufgaben gestern gemacht.“

wird im Konjunktiv I

Er sagte, er habe die Hausaufgaben am Tag vorher gemacht.

Im Konjunktiv II lautet der Satz

Er sagte, er hätte die Hausaufgaben am Tag vorher gemacht.{{4}}[[4]]Die Verwendung des Konjunktivs II bedeutet hier, dass man der Aussage nicht glaubt.[[4]]

Bei den Verben, die das Perfekt mit sein bilden, ist es analog. Aus

Er sagt: „Ich bin gestern zur Schule gegangen.“

wird im Konjunktiv I

Er sagte, er sei am Tage vorher zu Schule gegangen.

Im Konjunktiv II:

Er sagte, er wäre am Tage vorher zu Schule gegangen.

3. Nachzeitigkeit

Nachzeitigkeit bedeutet, dass die Handlung vom Sprechzeitpunkt aus gesehen in der Zukunft liegt. Der Konjunktiv wird mit Hilfe des Futur I gebildet. Aus

Er sagt: „Ich werde Morgen die Hausaufgaben machen.“

wird im Konjunktiv I

Er sagte, dass er am nächsten Tag die Hausaufgaben machen werde.

Im Konjunktiv II lautet der Satz:

Er sagte, dass er am nächsten Tag die Hausaufgaben machen würde.

Ein Konjunktiv in direkter Rede wird in der indirekten Rede nicht verändert.

 

Drucken Drucken

Schreibe einen Kommentar